Daily dose

Motorradfuehrerschein #Phase 11

Man macht keinen Motorradfuehrerschein, um zu warten. So viel steht seit heute fest, denn der Moment, in dem ich das erste Mal auf meiner eigenen, neuen Maschine sitzen werde, haengt seit heute nur noch davon ab, wie schnell die Zulassungsbehoerde reagiert. Die Jungs haben hier in Berlin grad drei Tage gestreikt, was so viel bedeutet wie, dass denen seit heute wieder die Bude eingerannt wird.

Aber von vorne:
Meine Bank hat mir heute einfach ein unschlagbares Angebot gemacht, welches ich dann doch nicht mehr ausschlagen wollte. Die Finanzierung der eigenen Maschine war somit gesichert. Also am Morgen 16 grosse Scheine abgeholt und mit denen quer durch halb Berlin bis zu Cintula in Tempelhof gefahren. Die habe ich am Vortag als einzigsten Honda-Vertragshaendler erreicht. Bei den Mitbewerbern scheint die Telefonanlage so ihre Probleme gemacht zu haben. Keine der vier Niederlassungen in Berlin war zu erreichen.
Das ich mit denen einen guten Fang gemacht zu haben scheine, bestaetigte sich schon auf dem Hinweg, als mir eine alte Freundin, die ich schon jahrelang nicht mehr gesehen habe, ueber den Weg lief und mich dann direkt vor dem Zweirad-Shop verabschiedete.

Ein bisschen links und rechts geguckt, verschiedene Modelle begutachtet und dann zweifelsfrei bei den beiden in Frage kommenden Cruisern haengen geblieben. Die 750er Honda Shadow ist zweifelsohne ein beeindruckendes Stueck Stahl. Sehr lang, breit, eindrucksvoll aber fuer mein Empfinden dann eben auch etwas zu sehr dem 70er Jahre Retro-Look verfallen mit den beiden grossen, ausladenden Schutzblechen. Die Shadow Spirit dagegen wirkt brachialer. Der grosse Zweizylinder kommt aufgrund der geringeren Verkleidung voll zur Geltung, die Langgabel mit dem eingespeichten 21” Vorderrad und der gewaltigen Walze am Heck sorgen fuer die noetigen Proportionen. Auf beiden mal Probe gesessen, mich mit dem Gefuehl der beiden Cruiser vertraut gemacht und nach 10 Minuten war klar: Die Shadow wird’s werden.

Honda Shadow Spirit

Der Rest war dann Verhandlungssache und auch da muss ich gestehen, war ich vollstens zufrieden. Im Endeffekt habe ich rund 1.000 Euro weniger auf den Tisch gelegt, als der Listenpreis hergibt und denke, dass ich damit recht zufrieden sein kann. Die Verhandlung war quasi non-existent, denn der Preis, der mir genannt worden war, gefiel mir bereits recht gut und, da wollte ich nicht weiter feilen. Ich hatte in dem Laden eh nicht das Gefuehl, Gefahr zu laufen als blutiger Motorradanfaenger abgezockt zu werden. Meine Fragen á la “Sag mal, wo ist das Zuendschloss bei so ‘nem Cruiser” und “Cruiser haben keinen Hauptstaender, oder?” wurden souveraen und freundlich - natuerlich mit einem kleinen, verschmitzten Laecheln aufgrund meiner Unerfahrenheit - beantwortet. Man hat mich da aber eben ernst genommen mit meinem Anliegen und das war mir wichtig. Da habe ich lieber auf die “Ich-als-blutiger-Fahranfaenger-brauche-doch-Zubehoer”-Traenendruese gedrueckt und mir u.a. noch ‘ne vernuenftige Abdeckplane mit drauflegen lassen.

Nach gut einer Stunde bin ich dann stolz wie Bolle zurueck ins Office, habe meinen Arbeitstag hinter mich gebracht und u.a. ganz unkompliziert am Telefon die Versicherung fuer die Maschine klar gemacht. Name, Alter, Anschrift, angepeilte Schadensfreiheitsklasse und Teilkasko Ja/Nein (Ja!) angegeben und der Makler, der auch grade mit seinem Moped unterwegs und rechts rangefahren war, um mich zurueckzurufen, gab das ganze dann an den Shop weiter. Das das so unkompliziert ginge, dachte ich bislang auch nicht.

Eines fehlte jedoch noch fuer das vollendete Tagwerk. Man muss sich ja schliesslich auch bekleidungstechnisch auf so einen Cruiser einstellen. Zeit also, sich mal in den Louis Gigastore in der Holzhauserstrasse aufzumachen.
Der Hinweg vor 18 Uhr ist uebrigens kein Problem: U-BHF Rathaus Reinickendorf und dann eine Ueberlaengen-Bus-Station bis fast vor die Haustuer. Der Rueckweg dann jedoch schon eher. Der letzte Bus faehrt naemlich um kurz nach 18 Uhr, was bedeutet, das man im Zweifelsfall dann einen 15 Minuten Fussmarsch, vollbepackt mit Motorradklamotten hinter sich bringen darf, um wieder in Richtung Zivilisation zu gondeln. Der Store liegt halt doch sehr abgelegen mitten im Industrieviertel und spaetestens vor Ort wird einem dann auch klar, warum dort niemand ausser ich zu Fuss oder mit den Oeffentlichen antanzt. Aber wer schoen sein will, muss bekanntlich leiden.

Also wie der letzte Harley-Jurist im Jacket mit weissem Hemd (ich musste ja morgens zur Bank) durch den Store geschlendert, hier und da was ausprobiert. Handschuhe wanderten in den Korb, der obligatorische Nierengurt. Spaeter dann auch eine fuer den Anfang recht passable Lederjacke und nach gut 40 Minuten Helmtheater dann auch der neue Jet-Helm. Abschliessend noch ein vernuenftiges Bremsschloss, damit man mir die Maschine hier vom Innenhof nicht einfach so wegrollen kann und weg war der naechste Schein.
Von all den Dingen beim Zubehoershoppen ist das Aussuchen des passenden Helms wohl das Schwierigste, habe ich festgestellt. Ich war nicht der Einzige, dem es sichtlich schwer fiel, die richtige Wahl zu treffen. Mal zwickts hier, mal wackelts da. War das eben nicht ein verdaechtig knackendes Geraeusch? Warum sehe ich so wenig? Wieso passt der Helm in Groesse M so gut, der gleiche in derselben Groesse, aber anderer Farbe nun nicht mehr? All das kostet Zeit.

Letztendlich ist aber auch das geschafft. Mit etwas Glueck darf ich morgen also meinen allerersten, eigenen fahrbaren Untersatz ueber die Strassen chauffieren und ich denke, grade mit der Maschine habe ich auch genau das gefunden, was zu mir passt - auch wenn es eben eine Japan-Harley geworden ist und kein “Original”. Aber die sind fuer mich a) eh unbezahlbar und b) auch nur bei ganz gewissen Modellen reizvoll gewesen und ueberhaupt: So viel Kohle wuerde ich dann auch nicht auf den Tisch legen wollen fuer ein Moped. Mit meiner Entscheidung bin ich da vollstens zufrieden. Ich bin jedenfalls gespannt, Photos kommen dank Davids Unterstuetzung sicherlich auch bald. Live und in Farbe, aus der Oberbaumcity.

* Photos mit (hoffentlich) freundlicher, umsatzsteigernder Genehmigung von Honda, Louis und Caberg.

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